Die Entwicklung der FF Ergoldsbach

Der erste überlieferte Brand in Ergoldsbach war im Jahr 1606 der große Marktbrand, bei dem die Hälfte des Ortes ein Raub der Flammen wurde. Am 23. Juli 1726  fielen beim zweiten großen Marktbrand 38 Wohnhäuser, 15 Stadel und die Kirche dem Feuer zum Opfer. Nur die Häuser am Berg, der Pfarrhof und 4 Häuser hinter dem Pfarrhof wurden vom Feuer verschont.

Mitte des 19. Jahrhunderts machte sich allerorten eine gewisse Aufbruchsstimmung breit, die unter anderem durch zahlreiche Erfindungen den Beginn des Industriezeitalters einläutete.

In Ergoldsbach zeigte sich dies durch die Anbindung an die Bahnstrecke München - Regensburg und die Gründung der Dachziegelwerke Ergoldsbach. Der Markt Ergoldsbach hatte in seiner Geschichte schon zwei verheerende Marktbrände hinter sich, die jeweils einen Großteil des Ortes vernichteten. Vielleicht verfügte die Gemeinde Ergoldsbach auch deshalb schon über eine "Feuerspritze".

Aus den geschilderten Tatsachen lässt sich erahnen, dass die Aktivitäten der Gründer der Feuerwehr Ergoldsbach um die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahmen. Als Gründungsdatum der heutigen Wehr ist der 8. August 1869 überliefert. Die erste  Satzung der neu gegründeten Feuerwehr ist ebenfalls mit den 8. August 1869 datiert.

Mit der Gründung des Vereins erhielt die Feuerwehr auch eine organisatorische Struktur mit klaren Aufgaben und Pflichten, so dass ein geordneter Brandschutz erreicht werden konnte. Dokumentiert wird diese Gründung ferner durch ein Schreiben der Königlich Privilegierten Bayerischen Ostbahnen zu München, dessen Inhalt besagt, dass der Freiwilligen Feuerwehr Ergoldsbach eine Unterstützung von 50 Gulden gewährt wurde.

Als Gründungsmitglieder sind uns folgende Personen überliefert:
Hauptmann: Brauereibesitzer Paul Schleinkofer
Adjutant: Zimmerermeister Simon Lehner
Zeugwart: Brauereibesitzer Alois Münsterer
Schreiber: Schullehrer Heilmeier
Kassier: Schullehrer Heilmeier

Es konnte damals die stolze Zahl von 120 Gründungsmitgliedern verzeichnet werden. Diese Feuerwehrmänner hatten es sich gemäß der Satzung, die aus 28 Paragrafen bestand, zur Aufgabe gemacht, dem Nächsten in Not und Gefahr zu helfen.

Laut § 5 der Satzung bestand die Mannschaft aus 3 Abteilungen, den Steigern, den Spritzenmännern und den Rettern und Ordnungsmännern.
Der Freiwilligen Feuerwehr Ergoldsbach gehörten nur aktive Mitglieder an, die ohne feste Dienstanweisungen und Vorschriften im Ernstfall ihren Mitbürgern halfen. Sie erhielten dafür keinerlei finanzielle Förderung oder Unterstützung. Daher ist es vorstellbar, dass die Feuerwehr zu dieser Zeit weder eine Uniform noch eine Schutzausrüstung besessen hat.

Zur Leitung der Feuerwehr war dem Hauptmann der Verwaltungsrat zur Seite gestellt. In diesem Gremium, das aus einem von der gesamten Wehr gewählten Vorstand und den Dienstgraden bestand, wurden die finanziellen Angelegenheiten der Feuerwehr entschieden. Die Anschaffung der Requisiten wurde durch die Feuerwehr selbst vorgenommen, wozu man Mitgliedsbeiträge, Erlöse aus Veranstaltungen und Zuschüsse der Gemeinde, des Bezirks, des Staates und der Feuerversicherung verwendete. Der Anteil der Gemeinde beschränkte sich auf die Überlassung der vorhandenen Löschgeräte und gelegentliche Zuschüsse.

Die Freiwilligen Feuerwehren waren in der Anfangszeit zumeist rein private Vereine, die hoheitliche Aufgaben übernahmen, welche in den Wirkungskreis der Gemeinde fielen. Auf den ersten Blick mögen die demokratischen Grundsätze verwundern, nach denen die Feuerwehren in der damaligen Zeit organisiert waren, doch ist dies auch eine Folge des Vereinsdenkens. Da man einsah, dass einerseits im Ernstfall ohne Befehl und Unterordnung kein rasches und wirksames Eingreifen möglich war, andererseits sich die Feuerwehrmänner als Bürger gleichberechtigt gegenüberstanden, wählte man diese Form, um zumindest die Möglichkeit zu haben, über die Führer, denen man sich unterordnen musste, selbst bestimmen zu können. Bei so viel Demokratie wurden die ersten Feuerwehren von der Obrigkeit natürlich kritisch betrachtet.

In der Zeit der Ergoldsbacher Feuerwehrgründung hatte sich jedoch die Einsicht über die Nützlichkeit dieser Einrichtung bei den Regierenden bereits durchgesetzt. Es lässt sich vermuten, dass die noch junge Freiwillige Feuerwehr Ergoldsbach bemüht war, sich zu zeigen und ihre Stärke zu demonstrieren. Die Fahnenweihen in den umliegenden Gemeinden boten dazu Gelegenheit. Auch wurde zu diesem Zwecke eine Standarte beschafft, die leider nicht mehr vorhanden ist. Des Weiteren beteiligte man sich an den damals üblichen Feierlichkeiten; z. B. am Geburtstag von König Ludwig II.  Auch die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession war damals wie heute selbstverständlich, wenngleich seit vielen Jahren in zweierlei Form.

Die FF Ergoldsbach schloss sich dem niederbayerischen Feuerwehrverband an. Dieser wurde wieder untergliedert in die Bezirksverbände. Der Bezirksverband hielt in gewissen Abständen Ausschusssitzungen ab, zu denen von jeder einzelnen Freiwilligen Feuerwehr ein Delegierter zu erscheinen hatte. Als Ausschussmitglied in der Bezirksversammlung wurde Herr Josef Buchmeier, Bierbrauereibesitzer in Ergoldsbach gewählt. Mitunter wurden auch Anregungen der Bezirksversammlungen in die Ausbildung der Mannschaft mit eingebracht. Dazu wurden regelmäßige Monatsversammlungen, Übungen am Spritzenhaus, Fußexerzieren und Löschübungen, bei denen zum Teil die Pflichtfeuerwehr mit einbezogen wurde, abgehalten. Zur Pflichtfeuerwehr waren alle tauglichen männlichen Einwohner vom 18. bis zum 55. Lebensjahr verpflichtet. Sie waren der Freiwilligen Feuerwehr unterstellt und mussten vor allem Hilfsdienste beim Pumpen und Ausräumen leisten.

In der am 6. August 1878 abgehaltenen Ausschusssitzung in Mallersdorf kam die distrikt-polizeiliche Feuerlöschung des Bezirkes Mallersdorf zur Beratung und es wurde allgemein über manche Angelegenheiten des Feuerlöschwesens diskutiert. Solche Sitzungen schlossen mit einer Wasserübung aller umliegenden Feuerwehren ab. Im Jahre 1879 entschloss man sich, eine moderne Schubleiter anzuschaffen. Gebaut wurde diese Leiter von Wagnermeister Friedrich Lottholz in Regensburg. Sie zeichnete sich durch die Einfachheit in der Bedienung, Sicherheit bei der Benutzung und Leichtigkeit bei der Bewegung aus. Die Leiter hatte ein Gewicht von 6 Zentner und konnte auf eine Länge von 13 Metern ausgezogen werden. Ein Mann konnte sie aufstellen, liegend sowie aufrecht stehend fahren und ausgezogen in jede beliebige Stellung bringen. Derselbe Mann konnte diese Leiter auch besteigen, sowie ohne fremde Hilfe mit Leichtigkeit wieder niederlegen. Der Preis der Leiter berechnete sich auf 350 Mark.

Für solche Ankäufe musste teilweise das Geld durch Preiskegeln, Preisschießen oder andere Veranstaltungen beschafft werden.

Daneben finden sich auch immer wieder Aufzeichnungen vom Ankauf von Schläuchen, die zum Teil von der Gemeinde bezuschusst wurden, sowie weiterer Ausrüstungsgegenstände, wie Sanitätstaschen, Armbinden, Stehleitern, Laternen usw. Ein weiteres Problem, das die finanziellen Möglichkeiten der Feuerwehr überstieg, war die Beschaffung einer neuen Feuerspritze. Diesbezüglich stellte man einen Antrag an die Gemeinde, die sich nach längeren Verhandlungen entschied, eine Saug- und Druckspritze, genannt "Hydrofor" auf einem vierrädrigen Wagen zu erwerben. Der Preis betrug einschließlich 3 Meter Saugschlauch sowie Verschraubung und Seiher (Saugkorb) 550 Mark. Die Lieferung erfolgte am 24. Januar 1883 per Bahn. Am Bahnhof Ergoldsbach wurde die Löschmaschine schon sehnsüchtig erwartet.

Als zusätzliche Ausrüstungsgegenstände wurden noch 100 Meter Hanfschlauch mit Normalverschraubung, ein Strahlrohr mit Mundstück sowie eine Theilungsgabel (Verteiler) zum Preis von 246 Mark dazugekauft. Gemäß den Überlieferungen konnte die Feuerwehr zu dieser Zeit  bei Bränden neben der neu angeschafften Feuerspritze noch auf zwei bereits vorhandene alte Druckspritzen zurückgreifen. Diese Anschaffung zeigte sich im Laufe der Zeit als unbedingt erforderlich, da die Besiedlung des Marktes mit zunehmendem Aufschwung der Dachziegelwerke immer mehr zunahm.

Laut Niederschrift vom 12. Juli 1891 der Bezirksversammlung der Freiwilligen Feuerwehren umfasste der Bezirk damals 69 Freiwillige Feuerwehren mit einer Stärke von 2.200 zum Dienst ausgerüsteten Männern. Die Freiwillige Feuerwehr Ergoldsbach besaß bereits neun Sanitätstaschen, die sich bei Verletzungen im Brandeinsatz als sehr hilfreich erwiesen. So ist unter anderem folgendes nachzulesen: "Die Erteilung eines Unterrichts im Sanitätswesen durch einen der Herren Ärzte des Bezirks wird angestrebt. Seitens der Bezirksvertretungen wurde zugesichert, dass dies womöglich noch im heurigen Sommer geschehen solle".

Auch bestand zu dieser Zeit eine Mitgliedschaft bei der Sterbekasse der Bayerischen Freiwilligen Feuerwehren. Bei Sterbefällen, die auf Unglücksfälle im Dienst zurückzuführen waren, leistete die Kasse 350 Mark Unterstützung für die Hinterbliebenen. Soweit die Nachforschungen ergaben, musste diese Versicherung in Ergoldsbach für keinen Schadensfall in Anspruch genommen werden.

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